04.02.2018

RL Südwest: Im Kurzinterview mit dem Sportdiektor der Stuttgarter Kickers, Martin Braun!

Unser Archivbild zeigt Martin Braun noch in Diensten des FC 08 Villingen! Bild: SDP

Der langjährige Profi fungiert seit November 2017 beim Traditionsclub aus dem" Degerloch" als Sportdirektor und war mit seinem Team am vergangenen Wochenende in einem Kurztrainingslager in Bahlingen.

Am gestrigen Samstag stand für den Regionalligisten das erste Spiel 2018 an, heute morgen stellte sich Martin Braun unseren Fragen.

DP: Hallo Martin, Anfang November hat Dich der Traditionsverein aus dem Stuttgarter Degerloch als Sportdirektor präsentiert. Du sollst das Vereinsschiff wieder in ruhigere Bahnen lenken, wie sieht die erste Zwischenbilanz aus?

Wir arbeiten alle daran, uns stetig zu verbessern um uns sportlich zu stabilisieren. Bisher denke ich, dass es uns ganz gut gelingt.

DP: Sportlich gesehen steht man in der RL Südwest in der Winterpause in der Nähe eines Abstiegsplatzes, finanziell ist man nicht auf Rosen gebettet?


In der Regionalliga kann es bis zu sechs Absteiger geben, fünf sind durchaus realistisch. Das bedeutet, dass aktuell sicher noch 10 Mannschaften mehr oder weniger um den Abstieg spielen.

Finanziell wird es in der Regionalliga nicht viele Mannschaften geben, die finanziell auf Rosen gebettet sind. Die zweiten Mannschaften vielleicht und Saarbrücken, Elversberg und Steinbach, welche von einzelnen Mäzenen in großem Umfang finanziert werden. Deshalb denke ich, dass wir sehr seriös aufgestellt sind und versuchen werden aus unseren Möglichkeiten noch etwas mehr heraus zu holen.

DP: Du hast Dich nach Karriereende nicht nur im sportlichen, sondern auch im wirtschaftlichen Bereich fortgebildet. Als Diplom-Kaufmann (FH) kannst Du auch diese Baustelle angehen?


Diese Baustelle muss ich nicht angehen, da wir im Aufsichtsrat und im Präsidium Personen sitzen haben, welche diesbezüglich über sehr hohe Kompetenzen und Erfahrungen verfügen.

DP: Dein Vertrag läuft zunächst bis zum 30. Juni 2019, weitere Zusammenarbeit nicht ausgeschlossen?

Das ist so.




"Mit aller Bescheidenheit würde ich sagen, dass ich bei der Zusammenstellung des Kaders eine sehr wichtige Rolle hatte."

Wiedersehen macht Freude - Treffen am Rande des Testspieles BSC - Stuttgarter Kickers 0:0 Bild: Claus G. Stoll

DP: Dein Vorgänger als Sportdirektion war ja kein anderer als Michael Zeyer, welcher vor einem Jahr, wohl aus finanziellen Gründen, entlassen worden ist. Mit Michael hast Du ehemals in Freiburg noch zusammen gespielt?

Nach meinen Informationen ist Michael, zu welchem ich schon immer ein gutes Verhältnis hatte, nicht aus finanziellen Gründen freigestellt worden, sondern auf Grund unterschiedlicher Vorstellungen über die weitere Entwicklung des Vereins. Das ist im Fußballgeschäft ein durchaus üblicher Vorgang.

DP: Doch nun wieder zum sportlichen Bereich: Ist der Klassenerhalt machbar? Wurde das Team zur Winterpause verstärkt?

Ich bin davon überzeugt, dass der Klassenerhalt machbar ist, allerdings werden wir dafür alle hart und konzentriert arbeiten müssen. Dabei sollten uns auch die drei Neuzugänge, welche wir in der Winterpause verpflichten konnten, helfen.

DP: Drehen wir die Uhr zurück. Beim FC 08 Villingen, Deiner letzten Wirkungsstätte, warst Du mit Sicherheit mitverantwortlich dafür, dass es zum sportlichen Aufschwung gekommen ist?


Mit aller Bescheidenheit, würde ich sagen, dass ich bei der Zusammenstellung des Kaders eine sehr wichtige Rolle hatte. Es gab immer wieder Entscheidungen zur Verpflichtung von Spielern oder bei der Verlängerung von Verträgen, bei welchen ich den ein oder anderen Verantwortlichen davon überzeugen musste, dass der jeweilige Spieler uns helfen wird. Aus heutiger Sicht freue ich mich darüber, dass ich relativ hartnäckig war, meine Einschätzungen zum Großteil richtig waren und die Mannschaft als Ganzes eine so gute Entwicklung macht.

DP: Dieser führte zur Teilnahme am DFB-Pokal, das Spiel gegen den FC Schalke 04, brachte einen warmen Geldregen in die Vereinskassen, so dass man auch finanziell „saniert" ist?

Der Verein war finanziell in einem sehr soliden Zustand, deshalb konnte ich auch mit sehr gutem Gewissen mein Amt zur Verfügung stellen.

DP: Doch die Tätigkeit in Villingen war nur ein Ehrenamt, welches mit der Zeit zum Fulltimejob wurde, woraufhin Du dich zurückgezogen hast. In Stuttgart hast Du nun die Möglichkeit, dich ganztags einzubringen?

Jeder Mensch muss für sich entscheiden, welchen Aufwand er dauerhaft ehrenamtlich leisten möchte. Mir waren die mindestens 25 bis 30 Stunden wöchentlich zu viel, zumal der FC 08 ja nicht mein Heimatverein ist, mit welchem man sich dann vielleicht noch etwas emotionaler verbunden fühlt. Bei den Stuttgarter Kickers bin ich hauptamtlich beschäftigt, so dass ich auch mit Freude die Aufgaben annehmen kann.




Der Chef persönlich (re.Gustl Zügel) begleitete die "Kickers" zur WG Burkheim, offensichtlich hat der Kaiserstühler Rotwein den Jungs schnelle Beine gemacht. Bild: privat

DP: Am 03.02.2018 der Start aus der Winterpause, eine Woche zuvor das Trainingslager in Bahlingen. Training im Kaiserstuhlstadion, Unterbringung im Gasthaus "Lamm" bei Familie Leyer. Die Wahl des Trainingslagers wurde wohl von Dir getroffen, Deine Vorliebe für die Kaiserstühler, nicht zuletzt aufgrund der Gastfreundlichkeit, ist bekannt. Ob als Spieler mit dem SC oder auch mit dem FC 08, Du bist in Bahlingen auch ein gern gesehener Gast?

An Bahlingen habe ich sehr positive Erinnerungen. Für Donaueschingen mein letztes Spiel und für den SC Freiburg eines meiner ersten Spiele habe ich dort gespielt. Zudem habe ich zu vielen Verantwortlichen ein sehr freundschaftliches Verhältnis, sodass ich mich immer freue dort zu sein. Zudem sind die Bedingungen für einen Regionalligaverein sehr gut.

DP: Neben hartem Training war auch Teambuilding angesagt, als Höhepunkt eine Weinprobe in der WG Burkheim. BSC-Manager August Zügel ließ es sich nicht nehmen, euch nach Burkheim zu begleiten, warst Du auch dabei?

Ja, natürlich war ich auch dabei. Es war wirklich sehr interessant und alle Verantwortlichen und die Spieler haben den Besuch sehr genossen. Dass August sich die Zeit genommen hat, hat mich sehr gefreut.

DP: Wenn ja, Hand aufs Herz: In Stuttgart ist ja z.B. der "Trollinger" eine feste Größe, gegen einen Kaiserstühler Rotwein hat er das Nachsehen?

Ich bin kein großer Weintrinker, aber im Kaiserstuhl gibt es schon Weine, welche ich dann doch auch gerne trinke.


Francisco Paco Vaz und sein Team mit einem Start nach Maß in das Jahr 2018. Bild: Claus G. Stoll

DP: Am jetzigen Wochenende nun das Nachholspiel gegen Koblenz, die Headline in einer Stuttgarter Zeitung vom heutigen Sonntag: "Kickers starten mit 3:0-Sieg aus der Winterpause!" Mit Sportdirektor Martin Braun in die Erfolgsspur zurück?

Wir haben eines von 15 Spielen gewonnen, weil alle sehr gut und konzentriert gearbeitet haben. Wenn das so bleibt, bin ich sehr zuversichtlich.

DP: Francisco Paco Vaz wurde vom Interimscoach zum Chefcoach befördert, das Vertrauen scheint sich nun auszuzahlen?

Aus meiner Sicht arbeitet Paco sehr akribisch, mit hoher fußballerischen Kompetenz. Wir tauschen uns fast täglich intensiv aus und es würde mich sehr freuen, wenn wir mit Paco lange erfolgreich sein können.




DP: Nunmehr Platz 14, 24 Punkte, die Lage ist leicht entspannt. Das Hauptziel ist jedoch klar der Klassenerhalt?

Ja. Wir wissen dass wir noch einige Punkte holen müssen, um unser primäres Ziel, den Klassenerhalt, unter Dach und Fach zu bringen.

DP: Blick in die Oberliga BW, Dein Ex-Club FC 08 Villingen zur Winterpause auf Platz zwei. Es ist durchaus möglich, dass es in der nächsten Saison zu einem direkten Aufeinandertreffen kommen wird?


Die Möglichkeiten für den FC 08, einen der ersten beiden Plätze zu belegen, sind sehr groß. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn wir in der nächsten Saison in der Regionalliga aufeinander treffen würden.


DP: Martin, wir danken Dir für das Gespräch und wünschen Dir und Deinen Stuttgarter Kickers eine erfolgreiche Rückrunde. 

Autor: Thomas Rieger

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