Kirsten Steinke im Interview

"In der höchsten Liga in Südbaden zu spielen ist eine tolle Herausforderung, aber nicht um jeden Preis"

14. Februar 2021, 12:13 Uhr

Kirsten Steinke (Bild:SDP-VK)

Der SV Endingen hat jüngst einen neuen Vorstand gewählt. An der Spitze steht Kirsten "Kiki" Steinke.


Auf der tollen Endinger Sportanlage (Erle gennant) rollt hoffentlich bald wieder der Ball (Bild: SV Endingen)


Der Fußballbezirk Freiburg dürfte wohl der führende Bezirk im Südbadischen Fußballverband sein, wenn es um den Frauenfußball geht. Wer hat sonst so viele Mannschaften höherklassig, alleine in der Oberliga spielen 3 Teams.

Eine Frau im Fußballbezirk Freiburg lässt sich aber eher mit dem Männerfußball in Verbindung bringen. Die Rede ist von Kirsten Steinke vom SV Endingen. In jungen Jahren selbst aktive Fußballerin (u.a. SC Freiburg), war und ist sie in den letzten Jahren Trainerin von reinen Männermannschaften (früher U19, aktuell SV Endingen II). Nun übergibt Kirsten Steinke den Trainerstab weiter wechselt in den administrativen Bereich des SVE – und dies gleich als Erste Vorsitzende des Vereins. Klar, dass "Kiki" Südbadens Doppelpass ein umfangreiches Interview gab und dabei gleich ihren Nachfolger als Coach der Zweiten des SVE präsentierte.


Volker Kirn, SDP: Kirsten Steinke, war der Vorstandsposten Dein Wunschjob, oder hat sich sonst niemand zur Verfügung gestellt?


Kirsten Steinke: Ganz ehrlich: Für diesen Job habe ich mich nicht beworben. Vor ca. 12 Monaten schmiedeten wir als inoffizieller SVE Arbeitskreis Pläne, wie die Strukturen des SV Endingen optimiert werden könnten. Wir waren bereits im November 2020 aktiv, jedoch stets mit dem Segen des 2. Vorsitzenden. Um handlungsfähig zu werden mussten wir uns in die „alten“ Positionen wählen lassen. Ich finde inzwischen richtig Gefallen daran; die Aufgabenbewältigung ist jedoch nur möglich mit der Unterstützung meiner Teamkollegen, die in den unterschiedlichsten Bereichen Spezialisten sind.

"Zukünftig wird der SV Endingen mit einer sechsköpfigen geschäftsführenden Vorstandschaft agieren"


Es gibt einen Strukturwandel beim SVE mit einem Führungsteam - was genau kann man sich darunter vorstellen?

Um die Entwicklungen voran zu treiben und positive Ergebnisse zu erzielen, müssen Fachbereiche optimiert werden. Zukünftig wird der SV Endingen mit einer sechsköpfigen geschäftsführenden Vorstandschaft agieren.
Die Fachgebiete Sport, Verwaltung, Finanzen, Anlagen/Gebäude, Sponsoring/Marketing, Presse/Öffentlichkeitsarbeit wird mit Spezialisten besetzt. Die Aufgaben werden strategisch aufgeteilt, dabei tauschen sich die Vorstände regelmäßig aus. Dies ist auch der Grund, warum es uns nur „en bloc“ gibt. Wir haben eine gute Gruppendynamik, geprägt von einer konstruktiven, selbst kritischen und optimistischen Arbeitsausrichtung. Und inzwischen weiß jeder von uns wie der andere tickt.
Jeder Vorstand stellt sich zudem ein Team zusammen, mit dem er die Aufgaben abarbeiten und innovativ auch neue Ideen und Ziele entwickeln kann. Die Kunst liegt hier in einer intensiven Teamarbeit, Kommunikationsaustausch und Transparenz. Sehr positiv zeigt sich hier das Engagement von Mitgliedern, die uns aus ihrer Eigenmotivation heraus ihre Hilfe und Unterstützung angeboten haben.

Einen Sportverein wie den SV Endingen zu führen ist vergleichbar wie ein Unternehmen - andere Vorstände sagen sogar es ist ein Fulltimejob - wie siehst Du das?

Fulltimejob auf jeden Fall, wenn der 1. Vorsitzende alle Themen auf seinen Schultern trägt. Wir agieren mit der „Umverteilung, damit die Aufgaben effizient erledigt werden und eine Nachhaltigkeit gewährleistet ist. Und wie gesagt; jeder ist Profi in seinem Bereich. Wie in einem Unternehmen: Setzt die Fachkräfte da ein, wo sie gut und motiviert sind.

Der SVE spielt schon seit Jahren mit der ersten Mannschaft in der Verbandsliga - hier gilt es immer wieder von neuem einen nicht unerheblichen Etat zu füllen. Ist das in der Zukunft auf Dauer stemmbar?

In der aktuellen Situation geht es uns wie anderen Vereinen. Nein, ist aktuell nicht stemmbar und war auch in der Vergangenheit stets knapp. Wenn es stemmbar war, mussten andere Bereiche darunter leiden. Der Amateurfußball wird steigend kostspieliger und grenzenlos. In der höchsten Liga in Südbaden zu spielen ist echt eine tolle Herausforderung, aber nicht um jeden Preis.


Achim Merkle übernimmt den Job des Trainers (Bild: SDP-VK)

"Der Verein besteht nicht nur aus der ersten Mannschaft"


Der sportliche Erfolg, sprich höherklassig zu spielen mit höheren Kosten und weniger Zuschauern, steht im Wettbewerb mit niederklassigerem Fußball, geringeren Kosten und höheren Einnahmen, weil mehr Derbys stattfinden und deswegen auch mehr Gästefans kommen - Deine Meinung?

Also, höherklassig zu spielen mit höheren Kosten und wenig Zuschauern können wir uns nicht leisten. Wie oben schon erwähnt. Der Verein besteht nicht nur aus der 1. Mannschaft. Ohne unsere Gönner und Sponsoren wäre das nie umsetzbar gewesen.
Unser Ziel und meine Meinung ist, so hoch wie möglich zu spielen, eigene talentierte Spieler in unsere aktiven Mannschaften zu integrieren, attraktiven und spannenden Fußball zu präsentieren, eine gute Atmosphäre zu schaffen um viele Zuschauer und Interessierte ins Erle zu locken. Dazu das wirtschaftliche Ziel, dass die Aufwendungen die Erträge nicht übersteigen. Die Tatsache, dass zukünftig vermehrt Endinger Spieler auflaufen, wird sicherlich das Interesse erhöhen. Die Jahrgänge 99 – 2001 sind gut ausgebildet aus der Jugend gekommen und können die nächsten Jahre beweisen, was sie für Stärken haben. Sollte es uns für die Verbandsliga vorerst nicht reichen, dann finden mit Sicherheit viele spannende und attraktive Spiele in der Landesliga statt.

Der SVE betreibt mit den Stadtteilvereinen eine gut funktionierende Jugend-SG. wurde hier auch schon über einen eigenen Verein, sogenannte JFV (Jugendförderverein) nachgedacht?

Nein, darüber wird nicht nachgedacht. Da ich 6 Jahre in der SG-Jugend als Trainerin der Jahrgänge 99-2001 tätig war, auch in der Funktion der Sportlichen Leitung, hatten wir kurz darüber nachgedacht. Die Vereine Kiechlinsbergen, Königschaffhausen und Endingen kooperieren eng miteinander und erfreulich ist, dass nach der U19 die Spieler in allen drei Vereinen integriert sind.
Aus meiner Sicht wäre es dauerhaft nicht gut JFV´s zu gründen. Die Anzahl der Mannschaften in der Region werden dadurch gemindert. Eher wäre eine Fusion ratsam, gerade im U19- oder U17-Bereich für Vereine, die höherklassig spielen. Sie sollten miteinander kooperieren und ein stark leistungsorientiertes Team in den Wettkampf schicken.

Bleibst du Trainerin des Förderteams?

Leider nicht, auch wenn meine Position in der Vorstandschaft durch unser Konzept kein Fulltimejob sein wird. Der Aufwand als Trainerin des Förderteams sind pro Woche 12-15 Stunden. Ich werde den Trainerjob, die konzeptionelle Planung, die Arbeit mit den Spielern und deren Entwicklung total vermissen. Da ich für den Fachbereich Sport zuständig bin, fällt mir der Abschied etwas leichter. Die neue Verantwortung erfordert Zeit und Konzentration. Auch möchte ich meiner Familie und sozialem Umfeld zeitlich gerecht werden, die jahrelang viel Toleranz für mich aufbringen mussten.

Achim Merkle wird neuer Trainer der zweiten Mannschaft


Dann gibt es einen neuen Trainer für die Zweite Mannschaft des SVE?


Ja, wir haben aber mit Achim Merkle aus den eigenen Reihen den idealen Trainer gefunden. Achim bringt das notwendige Knowhow und die Bereitschaft mit, die jungen Spieler zu integrieren und diese Mannschaft weiter zu entwickeln.

Autor: Volker Kirn

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