Offener Brief Dieter Bühler

RL Südwest: Quelle: Homepage www.bahlinger.sc

29. November 2020, 12:01 Uhr

Dieter Bühler, SDP

Offener Brief unseres Vorstandsvorsitzenden Dieter Bühler zur aktuellen Situation und der Wiederaufnahme des Spielbetriebes in der Regionalliga Südwest.

Werden die Amateurvereine der Regionalliga Südwest im Stich gelassen?
Die Fußball-Regionalliga Südwest, die beim DFB als höchste Amateurklasse bezeichnet wird, ist
eine heterogene Liga. Sie setzt sich aus Profivereinen, U23-Mannschaften von Bundesligisten
sowie Amateurvereinen, bei welchen Spieler, Trainer und Betreuungsteam einer weiteren
Beschäftigung nachgehen, zusammen. Die Regionalliga Südwest GbR besteht aus 6 Landesverbänden aus 4 Bundesländern. Mit dem FC Bayern Alzenau ist dazu noch ein Verein aus Bayern
dabei, der fußballtechnisch dem Hessischen Fußballverband zugeordnet wird. Bei dieser
Konstellation ist es normal, dass bei den Vereinen unterschiedliche Interessen bestehen können.
In der Vergangenheit wurde dies in der Regel immer auf einen gemeinsamen Nenner gebracht,
sodass alles gut funktionierte und man sich zum Schluss immer einigen konnte.
Durch Corona kam, wie in vielen anderen Lebensbereichen, einiges ins Ungleichgewicht. Aufgrund von rasant steigenden Infektionszahlen wurde auf Veranlassung der Bundeskanzlerin
gemeinsam mit den Ländern für den Monat November ein Lockdown beschlossen, der neben
vielen Geschäftszweigen auch den Amateurfußball betrifft. Der Trainings- und Spielbetrieb für
Amateurmannschaften wurde ab dem 1.11. untersagt. Die Länder Saarland und Hessen haben
ihre Regionalligavereine kurzerhand als Profivereine eingestuft. Baden-Württemberg hat eine
Sonderregelung für die Regionalligavereine in die Corona-Schutzverordnung aufgenommen.
Einzig in Rheinland-Pfalz wurde den Regionalligavereinen der Trainings- und Spielbetrieb
untersagt. In der Regionalliga Südwest wurde beschlossen, den Spielbetrieb ab 1.11. auszusetzten und erst 14 Tage, nachdem alle Vereine wieder trainieren und spielen dürfen, die Saison
fortzusetzen.
Am 12.11.2020 haben 9 Amateurvereine, darunter auch der Bahlinger SC, unter Federführung
des TSV Steinbach Haiger eine gemeinsame Stellungnahme an die Regionalliga Südwest
geschickt. Die wesentlichen Punkte in der Stellungnahme waren:
 Aussetzung des Spielbetriebs bis Ende Januar und Verlängerung der Saison bis Juli.
 Hinweis, dass oberste Priorität die Gesundheit aller Beteiligten haben sollte.
 Umsetzung der Forderungen der Politik, Medizin und Wissenschaft auf Kontaktminimierung.
 Hinweis, dass Spieler, Trainer, Betreuungsteam und Vereinsmitarbeiter täglich in Beruf,
Studium und Schule mit anderen Personengruppen in Verbindung kommen und so die
Kontakte weitaus höher sind als im Profifußball, was auf das Infektionsrisiko großen Einfluss
hat.
 Amateurvereine sind nicht in der Lage, die hohen Hygienestandards und regelmäßigen Tests
zu leisten, wie sie in der 1.-3.Liga durchgeführt werden.
 Hinweis auf die wirtschaftlichen Folgen für die Vereine bei Spielen ohne Zuschauer.
Auf diese gemeinsame Stellungnahme gab es nie eine umfängliche Antwort durch die
Regionalliga Südwest GbR. Sie wurde nicht einmal zur Diskussion gestellt.

In der Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Länder am 25.11. waren sich alle einig, dass der eingeführte Lockdown nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat. Es wurde beschlossen, dass viele Maßnahmen noch verschärft werden und die Kontakte insbeson-dere vor Weihnachten weiter reduziert werden sollen, damit an Weihnachten eine Lockerung möglich ist und Familien dieses Fest gemeinsam verbringen können. In der Videokonferenz der Regionalliga Südwestam Freitag, den 27.11. sickerte durch, dass das Land Rheinland-Pfalz trotz der vorgesehenen Verschärfungen vermutlich die Freigabe für den Trainings-und Spielbetrieb in der Regionalliga erteilen wird, während für die Bevölkerung strengere Kontaktregeln gelten sollen. Somit wirdfür die Verantwortlichen der Regionalliga Südwest GbR der Weg freigemacht, unabhängig von den aktuellen Infektionszahlenden Spielbetrieb wieder aufzunehmen.Bei derenEntscheidungenspielt die Corona-Pandemiemit all ihren Gefahrenkeine Rolle. Hier gehtes einzig und allein nur darum,eine Saison mit 42 Spieltagen, durchzupeitschen. So stehen für den Bahlinger SC mit den Spielen am Sonntag 13.12. beim FSV Mainz 05 II, am Mittwoch 16.12. zu Hause gegen die Spvgg Elversberg und am Samstag 19.12. beimFK Pirmasens vor Weihnachten noch 3 Spiele an. Um die Infektionsgefahr zu reduzieren, müssen wir vor den Spielen eigenverantwortlich Schnell-tests durchführen. Nach einer Schnelleinweisung muss ein Betreuer oder Physiotherapeut den Spielern, sowie dem Trainer-und Betreuerteam Abstriche vornehmen,die dann ausgewertet werden. Bisher war mir nur bekannt, dass Abstriche durch Ärzte vorgenommen werden sollten. Wie verlässlich diese Tests sind, wenn sie nicht durch Fachpersonaldurchgeführtwerden, kann und willich hier nicht beurteilen. Die wirtschaftlichen Folgen für unsVereine spielen bei der Entscheidung, dass ohne Zuschauer weitergespielt wird, bei den Verantwortlichen der RegionalligaSüdwest GbR überhaupt keine Rolle. Sie werden mit keinem Satz erwähnt.In den Monaten Dezember und Januar sind8 Spieltage angesetzt, die alle ohne Zuschauer ausgetragen werden müssen. Hätte man den Spielbetrieb um einen Monat verschoben, könnten ab März eventuell wieder Zuschauer zugelas-sen werden. Die vollen Kosten für den Spielbetrieb stehen an, hinzu kommen noch die Kosten für die Umsetzung der Hygieneregeln und derTests. Die Einnahmen ohne Zuschauer gehen dagegen rapide zurück. Dakann sich jeder ausrechnen, wasdem BSC, der in der vergangenen Saison bis zur Aussetzungder Saison im März einen Zuschauerschnitt von 1400 Zuschauern hatte, am Ende der Saison fehlen wird. Wenn wir keine Beihilfen aus dem Sportbereich und der Politik für die Regionalliga Südwest erhalten, ist ein Verein wie der Bahlinger SC, der immer solidegewirtschaftet hat und in dem viele Ehrenamtliche tätig sind, in Gefahr.Als sehr wichtig ist mir, auf die Stellung des Fußballs in der Gesellschaft einzugehen. Es wurde schon viel Kritik geübt, dass im Profifußball von der 1.-3.Liga gespielt wird, obwohl Gaststätten, Fitnessstudios und vieles mehr geschlossen bleiben müssen. Dass in diesen Ligen gespielt wird, finde ich richtig und sehr wichtig. Durch die Fernsehgelder fließt viel Geld in den Fußball, das letztendlich auch den Verbänden und damit dem Amateurfußball zugute kommt. Auch darf nicht unterschätzt werden, dass ein übertragendes Fußballspiel geradebei den geschlossenen Lokalen und den Kontaktbeschränkungen etwas Abwechslung ins Leben vieler Leute bringt.

Autor: Thomas Rieger

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